Partnerschaft mit Imasgo:
Projektarbeit in der Sahelzone
Klima
Der Klimawandel ist unübersehbar: es wird in der Trockenzeit immer heißer, bis nahe an 50 Grad, auch die Einheimischen stöhnen im April und Mai. In der Regenzeit ab Juni gibt es mehr und mehr Überschwemmungen, die zu Bodenerusionen und Zerstörung der Aussaaten führen.
Politik
Das Land leidet in manchen Regionen immer noch unter der Gewalt islamistischer Terrorgruppen. Aber die Regierung erobert Gebiete zurück. Zum Glück kann man das Zentrum des Landes problemlos besuchen, trotz aller Negativ-Meldungen über die gefährliche Sahlezone in der hiesigen Presse. Es gab einen Militärputsch, aber man kann nicht von einer Militärdiktatur sprechen. Die meisten Regierungsmitglieder sind Zivilisten. Die Regierung sucht den burkinischen Weg, der in Europa mit Skepsis gesehen wird. Man arbeitet im neuen Staatenbund AES (dazu gehören Mali, Niger und Burkina Faso) eng zusammen. Das erklärte Ziel ist eine wahre Unabhängikeit und dazu werden die Menschen angehalten, gut zu arbeiten, damit sich das Land selbst versorgen kann. Die Loslösung von der alten Kolonialmacht Frankreich wird im Land überwiegend positiv gesehen. Wir haben in keiner Bevölkerungsschicht jemanden getroffen, der nicht mit der aktuellen Ausrichtung der Regierung einverstanden ist. Und die Menschen strahlen Optimismus aus und Tatkraft.
Imasgo
Imasgo ist ein kleines ländliches Departement, bestehend aus 6 Zentren mit jeweils vielen kleinen Dörfern rundherum. Es liegt ca 25km nördlich der drittgrößten Stadt Koudougou. Die Region Koudougou mit Imasgo ist eine christliche Hochburg in Burkina Faso – hier sind fast 50% der Bewohner Christen, davon sind die meisten katholisch. In weiten Teilen des Landes überwiegen die Muslime.
Das Departement hatte laut Zensus von 2019 knapp 28.000 Einwohner; man rechnet heute mit 30.000.
Partnerschaft
Die Partnerschaft entwickelte sich aus einer in den 80er Jahren entstandenen Freundschaft zwischen Mitgliedern der beiden katholischen Pfarrgemeinden Imasgo und Birkenau, die sich in La Rochefoucaud - der französischen Partnerstadt der Gemeinde Birkenau - getroffen haben. Ein erstes Projekt entstand 1990: der Schulbau im Ortsteil Wera.
Am 2. Januar 1996 wurde beim ersten Birkenauer Delegationsbesuch in Imasgo eine Absichtserklärung für eine offizielle Partnerschaft unterzeichnet. Am 28. 10. 1996 wurde der Vertrag nach einem Besuch des Bischofs von Koudougou in Birkenau vom damaligen Pfarrgemeinderat unterzeichnet, der die Betreuung dieser Beziehung dem Ausschuss „Christen für Afrika“ übergab.
Im Jahre 2026 kann also das 30jährige Jubiläum gefeiert werden.
Am 17.1.2019 wurde der gemeinnützige Verein „Imasgo e.V.“ gegründet, der die Aufgaben des Ausschusses übernahm. Mit dem Verein wurde die Projektarbeit verstärkt und auf beiden Seiten über den kirchlichen Rahmen hinaus ausgebaut.
Gegenseitige Besuche
Persönliche Begegnungen sind unerlässlich, um eine solche Partnerschaft lebendig zu halten. Seit dem ersten Delegationsbesuch haben inzwischen 19 Besuche (zwischen zwei und sechs Wochen) aus Birkenau in Imasgo stattgefunden.
Umgekehrt waren 1998 die ersten Gäste aus Imasgo in Birkenau; seitdem wurden 4 Einladungen ausgesprochen und über kirchliche Aushilfe in Frankreich (während der Sommerpause) kam immer mal wieder ein Pfarrer aus Imasgo auch nach Birkenau. 2015 stattete der jetzige Bischof der Diözese Koudougou, zu der Imasgo gehört, Birkenau einen Besuch ab.
Zu den letzten Besuchen in Imasgo
Bernhard Schmitt und Franz Stevens waren im Februar 2025 in der Partnergemeinde. Für B. Schmitt war es der erste Besuch dort. Die Besprechung aktueller und geplanter Projekte stand im Vordergrund. Birkenau ist vielfältig präsent in Imasgo. Der Empfang war überwältigend. Der Pfarrer, die Schulleiter, der Kommissar (mit Aufgaben eines Bürgermeisters), die leitende Schwester des Frauenhauses, die Dorfchefs und weitere Kontakte freuten sich über den Besuch und lobten die gemeinsamen Projekte. Es gab bereits die zweite Anerkennungsurkunde.
Vom 6. bis 18. Februar 2026 fand das Treffen zum 30jährigen Jubiläum der Partnerschaft in Imasgo statt. Unsere vierköpgige Delegation - Pfarrer Wolfgang Kaiser, Martine Rüdinger, Bernhard Schmitt und Franz Stevens – erlebten einen 4 ½ stündigen Festgottesdienst am 8.2.26, bei dem alle Projekte aus 30 Jahren Zusammenarbeit in erinnerung gerufen wurde. Etwa 3.000 Besucher waren anwesend.
Die Projekte
Schulkantinenwettbewerb und Schulgärten
Es gibt im Department Imasgo 28 Grundschulen. Seit vier Jahren wird mit Birkenauer Unterstützung ein Wettbewerb veranstaltet, um die Eigeninitiative von Schülern und Eltern zu fördern. Besonders in den Monaten März, April und Mai ist es wichtig, dass die Schulen eine funktionierende Kantine haben, damit die Kinder wenigestens einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommen. Die Idee und die Kriterien des Wettbewerbs sind bei der örtlichen Schulinspektion entstanden. Durch die Aussicht, einen Preis zu erhalten (z.B. einige Säcke Reis oder Geräte für den Garten) hat sich bereits viel entwickelt. Die Schulgärten werden immer besser, Anpflanzungen von Bäumen werden besser bewässert und geschützt, der Schulhof wird sauber gehalten, Dung wird als Dünger für den Garten eingesammelt ....
In Imasgo-Zentrum steht das vor einigen Jahren neu errichtete Küchengebäude der Schulkantine, das durch ein Schild als Gemeinschaftsprojekt der Freundschaft Birkenau-Imasgo gekennzeichnet ist.
Brunnenbau
Sieben Tiefbrunnen in verschiedenen Dörfern sind bereits mit Birkenauer Finanzunterstützung realisiert worden. Vier davon mit elektrischen (Solarenergie) Pumpen und Hochbehältern, drei mit Handpumpe. Alle Brunnen sind mit einem Schild gekennzeichnet als Gemeinschaftsprojekte der Freundschaft Birkenau-Imasgo. Zwei weitere Brunnenanlagen sind angefragt: bei der Gesundheitsstation in Pinou und im Schulzentrum in Imasgo.
Schulförderung
Neben dem Bau von Schulen, der Einrichtung einer Bibliothek, der Unterstützung von Sportangeboten, der Stromversorgung und dem Bereitstellen von Computern und Druckern werden immer wieder auch kleine Projekte gefördert. Dazu gehören z.B. kleine Reparaturen, die Anschaffung von Tafeln für die Gruppenarbeit, Schulbücher, Hefte und Stifte oder Auszeichnungspreise zum Schulende.
Beim Delegationsbesuch 2025 wurde das 5. Gebäude des katholischen Gymnasiums feierlich eingeweiht und auf den Namen „Johannes Winkler“ – einem der verstorbenen Gründer der Partnerschaft - getauft
Verbesserung der Einkommenssituation
Zum Beispiel durch den Bau von Boutiquen, die vermietet werden können; sie sind gleichzeitig eine Abgrenzung zwischen Straße und Schulgelände. Projekt wurde bereits gestartet.
Insgesamt 8 Arbeitsplätze hat die geförderte öffentliche Mensa der Pfarrgemeinde Imasgo geschaffen. Hier war das Ziel, die Gesundheit der Menschen zu verbessern durch hygienisch einwandfreies Essen, das zu günstigen Preisen angeboten wird. Zwei Altgebäude wurden für das Projekt renoviert und somit weiter genutzt.
Initiativen der Dorfgemeinschaften, die mit kleinen Beitragen gefördert werden, können z.B. die Seniorenarbeit sein, der geplante gemeinsame Bau von Einrichtungen oder die Gründung von Genossenschaften oder Jugendinitiativen. Oder die Reparatur von Wegen/Straßen.
Patenschaften
Seit vielen Jahren unterstützt Imasgo e.V. Waisen und andere Kinder aus schwierigen Verhätnissen, damit diese eine gute Schule besuchen können.
Frauen in Not
Die Schwesternstation in Imasgo unter Leitung von Schwester Honorine betreut immer wieder zahlreiche Mädchen und junge Frauen, die entweder wegen drohender Zwangsheirat von zu Hause weglaufen und jedes Recht verlieren oder die in anderen großen Notlagen sind. Für dieses Frauenzentrum leistet Imasgo e.V. regelmäßig Unterstützung im Unterhalt und in der medizinischen Versorgung. Einige der Jüngeren werden in Schulen geschickt, dafür übernimmt der Verein das Schulgeld.
Ausbildung
Berufliche Bildung ist ein weiterer Schwerpunkt. Im Frauenhaus bei den Schwestern wird den Frauen neben Alphabetisierung, eine Ausbildung in Weben und Schneidern angeboten. Das neueste Projekt des Vereins ist der Bau eines großen Weberateliers, das kurz vor Fertigstellung ist, und neben den Frauen bei den Schwestern auch weiteren Frauen im Dorf zur Verfügung stehen wird.
Seit 6 Jahren läuft zudem eine Ausbildung in Solarelektrik, das in der großen Diözesankatechetenschule in Imasgo angeboten wird. Bei unseren Besuchen wurde diese Ausbildung weiter verfeinert und optimiert.
Apotheke
Für die Bevölkerungs-Gesundheit enorm wichtig ist die lokale Apotheke. Es gibt keinen Arzt im Departmenet Imasgo. Mit Birkenauer Hilfe wurde der sehr beengte Raum durch einen neuen größeren Raum mit Wartebereich und übersichtlichem Regalsystem errichtet. Das Ergebnis – eine moderne Apotheke – konnte beim Besuch im Februar 2026 mit Freude besucht werden.
Gesundheit
Neben Apotheke und sauberer Trinkwasserversorgung wurde zuletzt die neue Gesundheitsstation im Dorf Pinou unterstützt und beim Besuch während der Einwiehungszeremonie ein Moped, zwei Notebooks und weitere Materialien übergeben.
Solaranlagen
Mehrere Solaranlagen sind installiert – u.a. auf dem Schulgebäude im Ortsteil Pinou - und einige sind geplant. Dabei helfen Schüler unseres Ausbildungsgangs mit.
Effiziente Verwaltung
Bei der Verwaltungsbehörde – dem Komissariat – wurde eine Computeranlage finanziert und ein Hangar für die Wartenden errichtet, zum Schutz vor der Hitze. Die Partnerschaft wurde dadurch im ganzen Department noch bekannter, denn die Orts-Chefin hat es überall lobend erwähnt.
Imasgo-Laden
Der Verkauf burkinischer kunsthandwerklicher Produkte aus ganz Burkina Faso ist seit einigen Jahren ein Projekt, das Handwerkern hilft, etwas zu verdienen. In Imasgo selbst werden Körbe, Webstoffe, Schneiderprodukte, Holzsessel etc. hergestellt, die per Container eines befreundeten Frankfurter Unternehmens zu uns kommen und im Imasgo-Atelier des Unverpackt-Ladens in Hammelbach und auf Märkten zum Kauf angeboten werden. Der Erlös fließt wieder in Projekte in Imasgo.
Bei jedem Besuch – so auch in diesem Jahr – gehört der Einkauf neuer Ware zum Programm. Dabei hilft ein lokaler Koordinator.
Jubiläumsfest 30 Jahre Partnerschaft
Im September 2026 wird das 30jährige Jubiläum der Partnerschaft gebührend gefeiert werden, und zwar
am Sonntag, 13. September 2026
im Pfarrhof der kath. Kirche
Beginn 10:30 mit dem Festgottesdienst
Es soll ein Sonntag der Völkerverständigung werden mit fünf Gästen aus Imasgo, Musik, Tanz und vielen beteiligten Birkenauer Vereinen.
Dank
Um all die vielen Projekte finanzieren zu können, helfen sehr viele Spender aus Birkenau und Umgebung mit. Erlöse aus Aktionen wie den regelmäßig stattfindenden Flohmarkt „Gutes für eine gute Sache“ helfen außerdem.
Dafür gilt unser Dank – BARKA BARKA! – wie es in der lokalen Sprache Mooré heißt


